Bestimmung

Für das Bewertungsverfahren PhytoFluss werden die Arten bestimmt, einer Taxaliste zugeordnet, aus einem definierten Volumen der Lugol-fixierten Probe mikroskopisch gezählt und ihr Verdrängungsvolumen, das sogenannte Biovolumen, unter Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen Größen und Formen berechnet.

Die Analyse des Phytoplanktons erfolgt an speziellen Umkehrmikroskopen nach dem durch die EU genormten "Utermöhl-Verfahren" (DIN EN 15204). Weitere Festlegungen u. a. zur Auswertungsstrategie wurden u.a. von Nixdorf et al. (2010) getroffen.

Die in den Absetzkammern angereicherten Phytoplankter werden in einer definierten Kammerteilfläche mit einer Transekt- oder Streifenzählung ausgezählt (s. Abb. 1). Bei der mikroskopischen Auswertung ist darauf zu achten, dass insgesamt mindestens 400 Objekte gezählt werden und die Auszählung bei zwei verschiedenen mikroskopischen Vergrößerungen erfolgt (ca. 200 bzw. 400-fache Vergrößerung). Die biomassereichen und häufigen Taxa müssen mit einer Mindestobjektanzahl von je 60 Zellen bei starker Vergrößerung bzw. von je 20 Objekten bei schwacher Vergrößerung erfasst werden. Subdominante Taxa werden auch bei Unterschreitung dieser Objektanzahlen erfasst. Größe und Geometrie der Algenzellen müssen für jede Art ermittelt werden. Mit diesen Messwerten wird das Körpervolumen aller Planktonarten in einer Probe – das Biovolumen - errechnet.

Das Körpervolumen von Planktonarten wird analog zu dem durch die EU genormten Verfahren zur „Abschätzung des Phytoplankton-Biovolumens“ aus Größe, Geometrie und Anzahl der Algenzellen für jede Art ermittelt (DIN EN 16695).

   

Abb. 1: Links Arbeiten am Umkehrmikroskop und rechts ein Bild einer Planktonprobe (Fotos: IGB).


Vor der Auszählung der Phytoplankter am Umkehr-Mikroskop ist eine Taxaliste zu erstellen. Das PhytoFluss-Verfahren fordert verfahrensspezifisch eine weit geringere Bestimmungstiefe als anhand einer lichtmikroskopischen Analyse möglich wäre: Das zu erreichende verfahrensspezifische Bestimmungsniveau ist für jede einzelne Art in einer auf die Bestimmungspraxis ausgerichteten Artenliste, der "Harmonisierten Taxaliste" (HTL) (Mischke & Kusber 2009), in einer gesonderten Spalte angegeben. Die centralen Diatomeen sind in vielen Fällen die häufigste Phytoplanktongruppe in Fließgewässern, können aber in einer Lugol-fixierten Probe nicht sicher bestimmt werden.

Die harmonisierte Taxaliste stellt mit rd. 1.600 Arten einen Auszug aus allen potenziell in Deutschland vorkommenden Phytoplankton- und teilweise Phytobenthos-Arten dar, die in der "Taxaliste der Gewässerorganismen Deutschlands zur Kodierung biologischer Befunde" aufgeführt sind. Eine Zusammenführung beider Taxalisten ist in Vorbereitung.

Bestehen Unsicherheiten bei der Bestimmung einzelner Taxa, werden diese der nächst höher liegenden systematischen Kategorie (Gattung, Ordnung etc.) zugeordnet.

Die exakte Durchführung der mikroskopischen Auswertung und die Taxaliste (HTL) sind auch dem "Handbuch zum Bewertungsverfahren von Fließgewässern mittels Phytoplankton zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie in Deutschland" zu entnehmen (Mischke & Behrendt 2007).