Qualitätskomponentenspezifische Typologie

In Deutschland werden nur planktonführende Fließgewässer mittels Phytoplankton für die Umsetzung der WRRL bewertet. Planktonführende Gewässertypen sind Fließgewässer, die im Saisonmittel zwischen April und Oktober eine mittlere Chlorophyll-a-Konzentration über 20 µg/l unter natürlichen Abflussbedingungen aufweisen können. Dazu zählen alle sehr großen Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet größer als 10.000 km2. Zusätzlich werden in Deutschland mittelgroße Tiefland- und Mittelgebirgsflüsse untersucht, da ihre natürlichen physikalischen Gegebenheiten durch eine lange Fließstrecke, ein geringes Gefälle und durch eingebundene Flussseen ein erhebliches Wachstum von Phytoplankton erlauben. Bäche und kleine Flüsse sind von einer Bewertung mittels Phytoplankton ausgenommen.

   

Abb. 1: Links: Trebel bei Woitnick als Beispiel für ein langsam fließendes Gewässer des LAWA-Typs 23 (Foto: Ute Mischke, IGB). Rechts: Kleiner Fluss in der Niederung des Schwarzwaldes (LAWA-Typ 9), der aufgrund der geringen Aufenthaltszeiten und hohen Fließgeschwindigkeiten kein Phytoplankton führt und deshalb nicht mit PhytoFluss bewertet wird (Foto: Roland Höfer).


Zur Bewertung des Phytoplanktons in Fließgewässern werden 8 Phytoplankton-Fließgewässertypen (PP-FG-Typ) unterschieden (Tab. 1). Sie liegen in drei verschiedenen Ökoregionen: Alpenvorland/Alpen, Zentrale Mittelgebirge und Norddeutsches Tiefland. Für die Ausweisung der Phytoplankton-Fließgewässertypen sind die unterschiedlich großen Einzugsgebiete (EZG) und Abflussmengen (Q) zu Grunde gelegt worden. Sie bewirken, dass sich die Ausnutzung des Nährstoffs Phosphor durch das Phytoplankton in den Gewässertypen unterscheidet. Damit wird auch ihre Neigung zur Eutrophierung im Gewässer verändert (Tab. 1, letzte Spalte).

Die Kriterien der Phytoplankton-Typologie sind

  • Ökoregion
  • Einzugsgebietsgröße (EZG)
  • flächenbezogene Abflussspende (Q/EZG)

Die Phytoplankton-Fließgewässertypen können gemäß Tabelle 1 den LAWA-Fließgewässertypen zugordnet werden. Das Verfahren ist anwendbar auf die LAWA-Fließgewässertypen 9.2 (große Flüsse des Mittelgebirges), 10 (Kiesgeprägte Ströme des Mittelgebirges), 15 (Sand- und lehmgeprägte Tieflandflüsse), 17 (Kiesgeprägte Tieflandflüsse), 20 (Sandgeprägte Ströme des Tieflandes) und 23 (Rückstau- bzw. brackwasserbeeinflusste Ostseezuflüsse), wobei für die Phytoplanktonbewertung nach Mischke & Behrendt (2007) definierte Subtypen gebildet werden (vgl. RaKon-Arbeitspapier I).

Tab. 1: Fließgewässertypen für die Bewertung mittels Phytoplankton und deren Risiko (Neigung), Biomasse aus verfügbarem Phosphor zu bilden.

 LAWA-Typ

PP-FG-Typ

Name des Phytoplankton-Typs

Kriterien des Phytoplankton-Typs

Neigung

15, 17

15.1 + 17.1

Sand-, lehm- und kiesgeprägte Tieflandflüsse mit kleinem EZG

EZG: 1.000-5.000 km2

niedrig

15_g, 17

15.2 + 17.2

Sand-, lehm- und kiesgeprägte Tieflandflüsse mit großem EZG

EZG: >5.000 km2

hoch

20

20.1

Sandgeprägte Ströme des Tieflandes mit großer Abflussspende

EZG: >10.000 km2
Q/EZG: >10 l/s/km2

niedrig

20

20.2

Sandgeprägte Ströme des Tieflandes mit kleiner Abflussspende

EZG: >10.000 km2
Q/EZG: <10 l/s/km

sehr hoch

9.2

9.2

Große Flüsse des Mittelgebirges

EZG: 5.000-10.000 km2

hoch

10

10.1

Kiesgeprägte Ströme des Mittelgebirges mit großer Abflussspende

EZG: >10.000 km2
Q/EZG: >10 l/s/km2

niedrig

10

10.2

Kiesgeprägte Ströme des Mittelgebirges mit kleiner Abflussspende

EZG: >10.000 km2
Q/EZG: <10 l/s/km2

sehr hoch

23

23

Rückstau- bzw. brackwasserbeeinflusste Ostseezuflüsse

EZG: >500 km2

sehr hoch