Qualitätskomponentenspezifische Typologie

Das NRW-Verfahren (LANUV NRW 2015) berücksichtigt alle limnischen Fließgewässer mit Ausnahme der Ströme (Typ 10 und 20), der seeausflussgeprägten Fließgewässer (Typ 21) und der Fließgewässer der Alpen und des Alpenvorlandes (Typ 1, 2, 3 und 4).

Da die Fließgeschwindigkeit die Makrophyten deutlich in rhithrale (schnell fließend) oder potamale (langsam fließend) Ausprägungen differenziert, ist für die Makrophyten-Typologie und Bewertung eine Differenzierung der LAWA-Fließgewässertypen in rhithrale (schnell fließende) und potamale (langsam fließende) Gewässertypen erforderlich (Tab. 1). Dies bezieht sich nicht auf die aktuelle Situation, sondern auf das Leitbild.

Tab. 1: Differenzierte LAWA-Typologie in Bezug auf die Makrophyten, NRW-Verfahren.

 LAWA-Typ  

5

Grobmaterialreiche, silikatische Bäche der Mittelgebirge

5.1

Feinmaterialreiche, silikatische Bäche der Mittelgebirge

6

Feinmaterialreiche, karbonatische Mittelgebirgsbäche

7

Grobmaterialreiche, karbonatische Mittelgebirgsbäche

9

Silikatische, fein-grobmaterialreiche Flüsse der Mittelgebirge

9.1

Karbonatische, fein-grobmaterialreiche Flüsse der Mittelgebirge

9.2, rhithral

Rhithrale, große Flüsse des Mittelgebirge

9.2, potamal

Potamale, große Flüsse des Mittelgebirge

11, rhithral, Tiefland

Rhithrale, organisch geprägte Bäche des Tieflandes

11, potamal, Tiefland

Potamale, organisch geprägte Bäche des Tieflandes

11, rhithral, Mittelgebirge

Rhithrale, organisch geprägte Bäche der Mittelgebirge

11, potamal, Mittelgebirge

Potamale, organisch geprägte Bäche der Mittelgebirge

12, Tiefland

Organisch geprägte Flüsse des Tieflandes

12, Mittelgebirge

Organisch geprägte Flüsse der Mittelgebirge

14, rhithral

Rhithrale, sandgeprägte Tieflandbäche

14, potamal

Potamale, sandgeprägte Tieflandbäche

15, rhithral

Rhithrale, sand- & lehmgeprägte Tieflandflüsse

15, potamal

Potamale, sand- & lehmgeprägte Tieflandflüsse

15g, rhithral

Große, rhithrale, sand- & lehmgeprägte Tieflandflüsse

15g, potamal

Große, potamale, sand- & lehmgeprägte Tieflandflüsse

16

Kiesgeprägte Tieflandbäche

17, rhithral

Rhithrale, kiesgeprägte Tieflandflüsse

17, potamal

Potamale, kiesgeprägte Tieflandflüsse

18, rhithral

Rhithrale, löss-lehmgeprägte Tieflandbäche

18, potamal

Potamale, löss-lehmgeprägte Tieflandbäche

19, Tiefland, rhithral

Rhithrale Niederungsfließgewässer des Tieflandes

19, Tiefland, potamal

Potamale Niederungsfließgewässer des Tieflandes

19, Mittelgebirge, rhithral

Rhithrale Niederungsfließgewässer der Mittelgebirge

19, Mittelgebirge, rhithral

Rhithrale Niederungsfließgewässer der Mittelgebirge

19, Mittelgebirge, potamal

Potamale Niederungsfließgewässer der Mittelgebirge

Die Unterteilung in rhithrale (schnell fließende) und potamale (langsam fließende) Fließgewässer erfolgt anhand des Talbodengefälles unter Berücksichtigung des potenziell natürlichen Windungsgrades, der Größe des Einzugsgebietes und des Mittelgebirgsanteils (s. Tab. 2). Diese Methodik wird gerade im Rahmen des Projektes „Anpassung und Aktualisierung des Bewertungsverfahrens für die PHYLIB-Teilkomponente Makrophyten, Projekt-Nr. O 9.16 des Länderfinanzierungsprogramms Wasser, Boden und Abfall 2016“ überarbeitet.

Tab. 2: Kriterien zur Unterscheidung von rhithralen und potamalen Fließgewässern bzw. Fließgewässerabschnitten (aus: LANUV NRW 2008).
           rhithral = überwiegend schnell fließend, potamal = überwiegend langsam fließend.

Größe des Einzugsgebiets (km ²)

Talbodengefälle*

Anteil des Mittelgebirges
am Einzugebiet

 

< 100

≤ 1 Promill

 

potamal

 

> 1 Promill

 

rhithral

100-10.000

≤ 0,5 Promill

 

potamal

 

> 0,5 - 1 Promill

< 50%

potamal

 

> 0,5 - 1 Promill

> 50%

rhithral

 

> 1 Promill

 

rhithral

> 10.000

≤ 0,5 Promill

 

potamal

 

> 0,5 Promill

 

rhithral/potamal

*unter Einbeziehung des potenziell natürlichen Windungsgrades bzw. der Laufkrümmung

Der potenziell natürliche Windungsgrad kann aus dem Talbodengefälle, der Talbodenbreite und dem dominierendem Sohlsubstrat im Referenzzustand (siehe LAWA-Fließgewässertypen) abgeleitet werden.