Bewertung ökologisches Potenzial

Für stoffliche Belastungen von erheblich veränderten Gewässern (HMWB) sowie künstlichen Gewässern (AWB) gelten die gleichen Bewertungskriterien wie für natürliche Gewässer. Aus diesem Grund ist deren Unterscheidung im Phytoplanktonverfahren, welches vornehmlich die Nährstoffbelastung ‑ Stickstoff und Phosphor ‑ anzeigt, nicht vorgesehen. Lediglich für die AWB und HMWB (und Sondertypen natürlicher Seen) im Norddeutschen Tiefland ist eine Sonderbehandlung vorgesehen. Hier stehen eigene Indikatorlisten zur Verfügung. Die Bewertungsstrenge ist jedoch identisch mit derjenigen für natürliche Seen.

Die Bewertung des ökologischen Potenzials erfolgt im ähnlichsten natürlichen Phytoplanktontyp oder im Tiefland in den sogenannten k-Typen. Der Bezeichnung des ähnlichsten natürlichen Typs wird ein "k" angehängt. Die Behandlung im Biomasse- und Algenklassen-Metric ist identisch mit dem Verfahren für die natürlichen Seetypen.

Hinsichtlich der Nährstoffbelastung und ihrer trophischen Wirkung in Seen bestehen deshalb in aller Regel keine Unterschiede zwischen Zustands- und Potenzialbewertung, d. h. Zustandsbewertung = Potenzialbewertung.

Die bisher einzige Ausnahme von dieser Regel sind Talsperren, deren Nutzungen starke Pegelabsenkungen verursachen. In die Seewasserkörper wird vermehrt Sediment aus dem alten Flussbett und den Talsperrenflanken eingetragen. Des Weiteren kann aufgrund der geringeren Wassertiefe und dem Abzug von meist kaltem Tiefenwasser die Temperaturschichtung früher instabil werden. So ist ein wesentlicher Nutzungsaspekt z. B. der Edertalsperre in Hessen die Niedrigwasseraufhöhung von Schifffahrtsstraßen und Kanälen im Sommer und Herbst. Während dieser Zeit kann in trockenen Jahren der Seepegel bis über 20 m fallen. Es werden vermehrt Nährstoffe eingetragen, die bei günstiger Witterung die Phytoplanktonentwicklung forcieren. Es wird derzeit im Rahmen eines LAWA-Projekts an einer Arbeitshilfe zur Bewertung von Talsperren mit Trophie-relevanten Stauspiegelabsenkungen gearbeitet.

Tagebauseen mit neutralen pH-Werten können ohne Einschränkungen ‑ im Tiefland als k-Typ ‑ mit dem Phyto-See-Index bewertet werden. Für Tagebauseen mit sauren pH-Werten zwischen 3 und 6 wurde von Lessmann & Nixdorf (2009) ein Bewertungskonzept vorgeschlagen. Die Bewertung kann mit dem PhytoSee-Tool (Version 6.0) durchgeführt werden und basiert auf dem Phytoplanktonbiovo­lumen und der gefundenen Taxazahl. Das Ergebnis entspricht dem ökologischen Potenzial. Das Verfahren steht jedoch derzeit auf dem Prüfstand und wird voraussichtlich im Rahmen eines LAWA-Projektes überarbeitet.