Bewertung ökologisches Potenzial 

Bewertung des ökologisches Potenzials gemäß Perlodes 

Für die Bewertung der erheblich veränderten Bäche, Flüsse und Ströme sind HMWB- und AWB-Fallgruppen ausgewiesen worden, die sich aus einer Kombination der Fließgewässertypen der natürlichen Fließgewässer zu Gewässertypgruppen sowie die relevanten Nutzungen, die zur Ausweisung als erheblich veränderter oder künstlicher Wasserkörper geführt haben, zusammensetzen.

Aufbauend auf den – vor dem Hintergrund der spezifizierten Nutzungen – technisch machbaren Maßnahmen werden Habitatbedingungen im HÖP definiert, welche sich aus den Teilbereichen Morphologie, Wasserhaushalt und Durchgängigkeit zusammensetzen. Basierend auf diesen Habitatbedingungen werden biologische Referenzen für die biologischen Qualitätskomponenten festgelegt. Das HÖP für die Bewertung des Makrozoobenthos wurde über die Spannbreiten der Bewertungsmetrics hergeleitet, die diese unter den definierten Habitatbedingungen in den HMWB- bzw. AWB-Fallgruppen aufweisen. Für jeden Bewertungsmetric der ausgewiesenen HMWB- bzw. AWB-Fallgruppen wurden dazu neue, spezifische Ankerpunkte festgelegt (Döbbelt-Grüne et al. 2015).

Die Anpassung der Ankerpunkte der Bewertungsmetrics für das Makrozoobenthos bildet die Grundlage für die Bestimmung des ökologischen Potenzials der verschiedenen HMWB- bzw. AWB-Fallgruppen. Ihre Festlegung erfolgte deduktiv unter Berücksichtigung von Referenzwerten der natürlichen Gewässertypen, Überwachungsdaten, Expertenwissen und unter Bezug auf die Habitatbedingungen der einzelnen Fallgruppen.

Die Festlegung der biologischen Ausprägung im GÖP erfolgt für das gesamte MZB-Bewertungsverfahren und wird, analog zum Verfahren der natürlichen Gewässer, durch eine äquidistante ökologische Potenzialeinstufung vorgenommen: Das GÖP wird – je nach Fallgruppe – erreicht bei 20 % bis 40 % Abweichung vom Maximalwert des HÖP.

Die Bewertung des Makrozoobenthos in erheblich veränderten oder künstlichen Gewässern erfolgt analog zu natürlichen Gewässern mit dem Bewertungsprogramm Perlodes über die frei verfügbare Software ASTERICS (Version 4.ff).

In geeigneten Fällen kann alternativ zu dem hier dargestellten Verfahren für die erheblich veränderten Fließgewässer auch ein naturraumspezifischer Typwechsel sinnvoll sein.

Bewertung des ökologischen Potenzials der Marschengewässer 

Bewertung gemäß MGBI 

Der MGB-Index ist als multimetrisches Verfahren konzipiert, das die nach WRRL erforderlichen Aspekte „Artenvielfalt/Gemeinschaftsstruktur“ (Modul „Taxonomische Vielfalt“), „Abundanz“ und „Sensitivität und Toleranz“ (gegenüber Habitatveränderungen) (Modul „Eco/Abundanz“) umfasst und nach einer 5-stufigen Skala von „sehr gut“ bis „schlecht“ bewertet.

Der Bewertungsmaßstab basiert überwiegend auf Daten von 1986 - 2011, aus denen – ergänzt durch fachliche Einschätzung – eine Referenzbesiedlung der Makrozoobenthosgemeinschaft für nicht tideoffene Marschengewässer abgeleitet wurde. Diese reflektiert das höchste ökologische Potenzial. Der ökologische Zustand ist hier nicht mehr relevant, da es sich um einen rein anthropogen geprägten, im natürlichen Zustand nicht vorhandenen Gewässertyp handelt.

Der MGBI spiegelt das Ausmaß einer allgemeinen Degradation wider. Wesentliche Belastungsfaktoren sind in diesem Zusammenhang Gewässerstruktur, Unterhaltungsmanagement, Stoffbelastung (z. B. Salinität, Sauerstoff) oder Eutrophierung.

Das Modul „Taxonomische Vielfalt“ (TAV) wird über die Anzahl von Großtaxagruppen, Familien sowie Arten abgebildet. Die Berechnung erfolgt analog zum TOM-Index über die Ähnlichkeit zur Referenzgemeinschaft. Die Präsenz der Gruppen Oligochaeta und Diptera wird derzeit ausschließlich auf Großtaxaebene bewertet.

Abb. 1: Gewichtung der Makrozoobenthosgruppen im Modul „Eco/Abundanz“ des MGB-Index für die Bewertung von nicht tideoffenen Marschengewässern (GÖP = gutes ökologisches Potenzial).

Zentraler Aspekt für die Bewertung des Moduls „Eco/Abundanz“ besteht in einer Zuordnung gewichteter artspezifischer Indikatorwerte (Eco-Werte), die die Sensitivität bzw. die Toleranz einer Art gegenüber den in Marschengewässern relevanten Stressoren (z. B. Habitatdegradation, Stoffbelastung) reflektieren (Abb. 1). Die auf Literatur- und Experteneinschätzungen beruhenden insgesamt für mehr als 600 Organismen vorläufig vergebenen Eco-Einstufungen umfassen Werte zwischen 1 („sehr tolerant“) bis 5 („sehr sensitiv“). Die Berechnung dieses Parameters erfolgt analog zum TOM-Index. Dabei sind die für Marschengewässer relevanten Großtaxagruppen für die Bewertung von unterschiedlicher Bedeutung (Abb. 1).

Die abschließende Gesamtbewertung des ökologischen Zustands einer Messstelle erfolgt anhand des EQR (Ecological Quality Ratio). Der Gesamt-EQR ergibt sich durch Mittelwertbildung der Teilergebnisse der Module „TAV“ und „Eco/Abundanz“.

Bewertung des ökologischen Potenzials gemäß TOM-Index

Zur Herleitung des Potenzials bzw. Anpassung des Verfahrens (Referenzbedingungen) für tideoffene Marschengewässer wurde der Parameter als wesentlicher, fallgruppenübergreifend wirkender Einflussfaktor identifiziert.

Für die Potenzialbewertung wurde der Bewertungsmaßstab neu definiert. Wesentliche Änderungen des TOM-Index umfassen das für die Potenzialbewertung weniger umfangreiche Artenspektrum, eine etwas andere Gemeinschaftsstruktur der Benthosgemeinschaft sowie angepasste artspezifische Referenzabundanzen. Darüber hinaus wurde der TOM-Index für die Potenzialbewertung mit der Implementierung des Biozönotischen Bewertungsverfahrens Makrozoobenthos (BBM-Index) (NLWKN 2008) um eine Betrachtungsebene erweitert. Der BBM-Index dient hier dazu, die Grenze zwischen „mäßigem“ und „gutem Potenzial“ zu definieren.

Bewertung des ökologischen Potenzials gemäß AeTI+

Die Anpassung des AeTI-Moduls an das ökologische Potenzial erfolgte auf zwei Ebenen: (1) Es wurden solche Arten ausgeschlossen, deren regelmäßiges Vorkommen unter den aktuellen hydromorphologischen Rahmenbedingungen und Nutzungen als unwahrscheinlich angesehen wurde. (2) Neben der Anpassung der offenen Taxaliste an das ökologische Potenzial der ästuarinen Gewässertypen wurden die Grenzen der Qualitätsklassen des AeTI-Moduls weniger streng definiert. Im Vergleich zum „guten ökologischen Zustand“ wird bei gleichem AeTI-Wert das GÖP „eher“ erreicht. Die Neufassung der Potenzialklassen erfolgte unter fachlichen Gesichtspunkten, wobei sich die Einteilung der Klassengrenzen an den in der WRRL genannten normativen Begriffsbestimmungen orientiert.