Bestimmung

Prinzipiell werden alle aussortierten Organismen bestimmt. Ergebnis der Bestimmung ist eine Liste mit der Angabe der taxonomischen Einheit (Art – Gattung – Familie) inklusive ihrer Individuendichten.

Bestimmung gemäß Perlodes

Material

  • Stereolupe (Binokular) mit bis zu 80-fache Vergrößerung und Möglichkeit der optionalen Hinzunahme von Durchlicht (zur Bestimmung von Ephemeroptera) (Abb. 1)
  • Kaltlichtleuchte
  • Federstahl- und Dumontpinzetten
  • Petrischalen und Alkohol
  • Protokollbögen
  • „Operationelle Taxaliste“ und Bestimmungsliteratur

  Abb. 1: Material zur MZB-Bestimmung (Foto: T. Pottgiesser).

Operationelle Taxaliste

Grundlage der Bestimmung der Makrozoobenthos-Organismen ist die „Operationelle Taxaliste“. In der Operationellen Taxaliste sind standardisierte Mindestanforderungen an die Bestimmung des Makrozoobenthos festgelegt.

Die Taxaliste definiert die Mindestanforderungen an die Bestimmung anhand der Kriterien:

  • was taxonomisch nach derzeitigem Kenntnistand möglich ist,
  • was vor dem Hintergrund der biologischen Bewertung von Fließgewässern zur Umsetzung der WRRL in Deutschland notwendig ist und
  • was im Rahmen des Routine-Monitorings praktikabel ist.

Ziel der Festlegung des Mindestbestimmungsniveaus ist:

  • Erzeugung von bundesweit vergleichbaren und reproduzierbaren Datensätzen
  • Qualitätssicherung biologischer Daten
  • eindeutige Kennzeichnung von Taxa durch Vereinheitlichung von Nomenklatur und Taxonomie

Eine Bestimmung über dieses Mindestbestimmungsniveau hinaus ist aber möglich und grundsätzlich auch erwünscht. Für die Bewertung gemäß WRRL anhand der Qualitätskomponente Makrozoobenthos ist es aber nicht notwendig.

Die operationelle Taxaliste ist folgendermaßen aufgebaut (Abb. 2):

Abb. 2: Aufbau der operationellen Taxaliste.

  • 1. Spalte: Systematische Einheit
  • 2. Spalte: Familie
  • 2. Spalte: DV-Nr.
  • 3. Spalte: Taxonname gemäß Bundestaxaliste
  • 4. Spalte: ID-Art des Taxons
  • 5. Spalte: Taxonnname gemäß Perlodes-Datenbank
  • 6. Spalte: Autor des Taxons und Jahr der Beschreibung
  • 7. Spalte: Bestimmungsliteratur
  • 8. Spalte: Hinweise zur Bestimmung des Taxons sowie weitere Angaben (Verbreitung, Ökologie, etc.)

Bestimmungsliteratur

Die im Begleittext zur operationellen Taxaliste angegeben Bestimmungsschlüssel sind zu verwenden. Für höhere systematische Einheiten wird keine Bestimmungsliteratur angegeben. Es wird davon ausgegangen, dass diese ohne Bestimmungsliteratur erkannt werden.

Bestimmungsarbeit

Die Bestimmung sollte bis zum angegebenen taxonomischen Niveau der operationellen Taxaliste erfolgen.

Sind mehrere Taxa einer systematischen Reihe angegeben (z. B. Familie, Gattung, Art) sollte grundsätzlich auf Artniveau bestimmt werden, es sei denn eine Artbestimmung ist nicht möglich (z. B. weil es sich um ein unvollständiges Tier handelt).

Wird über das festgelegte Bestimmungsniveau hinaus bestimmt, werden diese Taxa ebenfalls mit aufgeführt. Für die Bewertung können über den Filter „gefiltert“ der ASTERICS-Software diese Taxa automatisch in das Mindestbestimmungsniveau der Operationellen Taxaliste umgewandelt werden

Bestehen Unsicherheiten bei der Bestimmung einzelner Taxa, können diese durch den Vermerk “c. f.“ oder verkürzt „cf“ dokumentiert werden. Vor der Berechnung werden diese Taxa durch die Software automatisch auf das nächst höhere taxonomische Niveau angehoben.

NICHT bestimmt werden leere Gehäuse und Exuvien und i. d. R. Puppenstadien, Imagines, mit Ausnahme von Coleoptera, Heteroptera sowie unvollständige Tiere, die auch der höchsten taxonomischen Einheit nicht sicher zugeordnet werden können.

Einige Organismengruppen können mit hohen Abundanzen in Proben vorhanden sein, z. B. Gammaridae, Baetidae, Simuliidae oder Chironimidae. Für diese Gruppen wird eine zufällige Auswahl von 50 bzw. 100 Individuen (Chironomidae) getroffen, die bestimmt werden. Alle verbleibenden Individuen werden lediglich gezählt und anteilsmäßig den bestimmten Taxa zugeordnet.

Erstellen von Taxalisten

Erstellen von Taxalisten bei Laborsortierung

Zur weiteren Auswertung werden die ermittelten Individuenzahlen auf m² umgerechnet:

Dazu werden zunächst die Individuenzahlen der ausgelesenen und bestimmten Taxa der Unterprobe auf die Gesamtprobe hochgerechnet. Beträgt der Anteil der ausgelesenen Unterprobe beispielsweise 1/6 der Gesamtprobe, so ist die Individuenzahl jedes Taxons entsprechend mit sechs zu multiplizieren.

Die errechneten Gesamtindividuenzahlen pro Taxon (bezogen auf 1,25 m² beprobte Fläche) werden dann durch 1,25 dividiert und so die Individuenangaben pro m² ermittelt.

Wurde eine 21. Teilprobe entnommen, beträgt die Größe der beprobten Fläche 1,3125 m². Die Gesamtindividuenzahlen pro Taxon müssen durch 1,3125 dividiert werden, um die Individuenangaben pro m² zu ermitteln.

Erstellen von Taxalisten bei Freilandsortierung

Wird das Lebendsortierverfahren im Freiland angewandt, liegen zwei Listen mit Bestimmungsergebnissen vor: (1) Der Protokollbogen Freilandsortierung mit den im Gelände identifizierten Taxa und den zugehörigen gezählten bzw. geschätzten Individuenzahlen und (2) die Bestimmungsergebnisse der im Labor nachbestimmten Taxa.

Die Bestimmungsergebnisse dieser beiden Listen werden wie folgt miteinander verschnitten

  • Taxon bereits im Gelände auf Niveau der Operationellen Taxaliste bestimmt: Es ist zwar im Grunde keine Nachbestimmung im Labor notwendig, eine Nachkontrolle wird jedoch empfohlen.
  • Taxon im Gelände nicht auf das Niveau der Operationellen Taxaliste bestimmt: Mitnahme der definierten Mindestindividuenzahl (falls in der Probe vorhanden) und Nachbestimmung im Labor
  • Gemäß der im Labor ermittelten Individuenzahl pro Taxon Rückrechnung auf die im Gelände geschätzte Gesamtindividuenzahl mit Hilfe folgender Formel: IZ,res = IZ x IZ, gesamt / Anz
  • Die errechneten Gesamtindividuenzahlen pro Taxon (bezogen auf 1,25 m² beprobte Fläche) werden dann durch 1,25 dividiert und so die Individuenangaben pro m² ermittelt.

Wurde eine 21. Teilprobe entnommen, beträgt die Größe der beprobten Fläche 1,3125 m². Die Gesamtindividuenzahlen pro Taxon müssen durch 1,3125 dividiert werden, um die Individuenangaben pro m² zu ermitteln.

Beispiel

Bestimmung der Makrozoobenthos-Arten in Marschengewässern

Die taxonomische Aufschlüsselung sollte bis zur Art erfolgen bzw. sich weitgehend an die operationelle Taxaliste nach Perlodes anlehnen. Für die formale Bewertung ist die taxonomische Ansprache auf Artebene bei den Gruppen ‚Aufwuchstaxa’, Oligochaeta und Diptera nicht zwingend erforderlich bzw. sollte sich ebenfalls mindestens an der Tiefenschärfe der operationellen Taxaliste als Mindestvorgabe orientieren. Erforderlich ist die Feststellung der Anzahl der Großtaxagruppen an einer Messstelle.

Erstellung von Taxalisten 

Die Abundanz je Art/Taxon wird als Individuen/Probe (CPUE) ohne Flächenbezug angegeben; alternativ sind auch artspezifisch Abundanzschätzungen nach DIN möglich.