Bewertung ökologischer Zustand 

Vorarbeiten 

Die Ergebnisse der Feld- und der Laborarbeit werden in einer Kreuztabelle zusammengeführt. Dabei werden die Abundanzen aus beiden Untersuchungen miteinander zu einem Gesamtbefund verschnitten. Die Tabelle 1 gibt ein fiktives Beispiel eines silikatisch geprägten Mittelgebirgsbaches (Typ 5, PB 3) wider,  der mit dem vollständigen Verfahren untersucht wurde. Am Standort wurden sechs Unterbefunde verschiedener Beläge von verschiedenen Substraten und mit unterschiedlichen Deckungsgraden entnommen. Nach Umrechnung der prozentualen Deckungsgrade in die Abundanzklassen erreicht ein Belag mit einer Deckung >5% eine makroskopische Abundanz von 4. Alle anderen Beläge waren makroskopisch nur in geringem Ausmaß (Abundanz 3) auffällig. Die im Labor bestimmten Taxa treten teils mikroskopisch abundant auf. Auch gibt es Mischbestände, in denen mehrere Arten vorkommen. Im Gesamtbefund werden nun der mikro- und der makroskopischer Befund so verschnitten, dass für die mikroskopisch massenhaft auftretenden Taxa die makroskopischen Abundanzen aus den Feldprotokollen übernommen werden. Wird ein Taxon in mindestens drei Unterproben mit derselben mikroskopischen Häufigkeit nachgewiesen, wird seine Häufigkeit für den Gesamtbefund um eine Stufe höher gesetzt. Nur der Gesamtbefund geht in die anschließende Bewertung ein.

Wird das reduzierte Verfahren eingesetzt, werden nur Taxa mit Deckungsgraden der Abundanzklassen 3, 4 und 5 berücksichtigt.

Tab. 1: Beispiel für eine Gesamttabelle mit Freiland- und Laborbefunden.

 

Unterbefund_Nr.

1

2

4

5

6

Gesamt

Beschreibung

kleine, dunkel-braune Flecken

feine, filzige, grüne Fäden

fädige Alge, Lager weich, schwarzgrün

fädige Alge, Lager weich, schwarz

Quetsch

 

Substrat

Stein

Moos

Stein

Feinsed.

Moos

Deckungsgrad (%)

>5

>1

<1

>1

<1

makroskopische Abundanz

4

3

3

3

3

Klasse

Taxon

mikroskopische Abundanz

Cyanobacteria

Chamaesiphon starmachii

3

 

 

 

 

4

Cyanobacteria

Phormidium autumnale - Gruppe

 

 

3

 

 

3

Cyanobacteria

Oscillatoria sancta

 

 

 

3

 

3

Tribophyceae

Vaucheria

 

3

 

 

 

3

Chlorophyceae

Microspora amoena

 

3

 

1

2

3

Chlorophyceae

Oedogonium

 

1

 

 

 

1

Desmidiaceae

Closterium moniliferum

 

 

 

 

1

1

Desmidiaceae

Closterium rostratum

 

1

 

1

1

2

Indikative Taxa 

Für das PoD gelten vier Bewertungskategorien der indikativen Taxa (Tab. 2). Diese Kategorien berücksichtigen die Toleranzen und Präferenzen der Taxa vor allem hinsichtlich ihrer geochemischen Prägung, der Trophie und der Saprobie. Da diese charakteristisch für die Fließgewässertypen sind, gelten teilweise unterschiedliche Zuordnungen der Taxa für die verschiedenen PoD-Typen (Tab. 3).

Tab. 2: Bewertungskategorien der indikativen Taxa des PoD.

Kategorie

Beschreibung

A

sensible Arten, charakteristisch für bestimmte Fließgewässertypen

B

weniger sensible Arten, Vorkommen nicht so eng begrenzt wie unter A

C

typunspezifische Störungsanzeiger (Eutrophierung bzw. eine mäßigen bis unbefriedigenden Zustand anzeigend)

D

typunspezifische Störungsanzeiger (sehr starke Eutrophierung bzw. einen unbefriedigenden bis schlechten Zustand anzeigend)

 

Tab. 3: Zuordnung von Taxa zu den Bewertungskategorien (Auszug). 

 

Bewertungsindex 

Mit Hilfe eines Indexes, der neben der Zuordnung zu den Bewertungskategorien die Abundanzen der Taxa berücksichtigt, wird anschließend ein Indexwert (BI) ermittelt. Dieser liegt zwischen +100 und -100 und wird anschließend in einen Indexwert auf einer Skala von 0 bis 1 umgerechnet.

Der Index (BI) lautet wie folgt:

wobei QAi (QBi, QCi, QDi) = quadrierte Deckungsgrade eines Taxons i der Kategorie A(B, C, D), i = Laufindex über die Taxa der jeweiligen Bewertungskategorie, läuft von 1 bis nA(B,C,D)

Kriterien für eine gesicherte Bewertung 

Eine Bewertung wird als gesichert anerkannt, wenn mindestens 5 indikative Taxa des PoD nachgewiesen werden. Sind weniger als 5 indikative Taxa vorhanden, muss die Summe der quadrierten Häufigkeiten mehr als 16 betragen.

Ermittlung der ökologischen Zustandsklasse einer Messstelle 

Die Zuordnung des BI zu den ökologischen Zustandsklassen erfolgt anschließend gewässertypspezifisch anhand der Tabellen in der „Verfahrensanleitung für die ökologische Bewertung von Fließgewässern zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie: Makrophyten und Phytobenthos (PHYLIB)“.

Der ökologische Zustand wird in fünf Klassen angegeben, wobei die ökologische Zustandsklasse 1 dem sehr guten ökologischen Zustand/Referenzzustand im Sinne der WRRL entspricht. Die ökologische Zustandsklasse 5 bedeutet eine schlechte ökologische Qualität und zeigt eine starke Degradation des Gewässers an. Die Tabelle 4 aus der Verfahrensanleitung gibt die Indexgrenzen für die silikatisch bzw. karbonatisch geprägten Fließgewässertypen des Mittelgebirges bei alleiniger Bewertung mit Hilfe des PoD an.

 Tab. 4: Beispiel für die gewässertypspezifische Zuordnung des BI zu den ökologischen Zustandsklassen.

Ökologischer Zustand

PB 3

PB 4

PB 5

sehr gut

1,00  –  0,80

1,00  –  0,87

1,00  –  0,80

gut

0,79  –  0,55

0,86  –  0,73

0,79  –  0,55

mäßig

0,54  –  0,30

0,72  –  0,56

0,54  –  0,40

unbefriedigend

0,29  –  0,20

0,55  –  0,17

0,39  –  0,20

schlecht

0,19  –  0,00

0,16  –  0,00

0,19  –  0,00